Sonnenwärme für den Winter sammeln
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Thermochemische Speicher (Sorptionsspeicher)
ermöglichen eine nahezu verlustfreie Wärmespeicherung bei hohen
Energiedichten und schaffen so die Grundlage für die ganzjährige
Versorgung mit Solarwärme. In Fernwärmenetzen können thermochemische
Speicher den Lastausgleich übernehmen - als Puffer zwischen Netz und
Heizsystem. Von der weiteren Erforschung der Sorptionsmaterialien
versprechen sich die Forscher und Entwickler Effizienzsteigerungen
durch höhere Energiedichten und die Anpassung an die Bedingungen der
Speicherung im Niedertemperaturbereich.
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Solarkollektoren und ein Sorptionsspeicher sollen ganzjährig Energie für die
Heizung und warmes Wasser liefern.
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Im Sommer kann das üppige Angebot an
Sonneneinstrahlung in Deutschland gut genutzt werden: Eine
solarthermische Anlage mit Flach- oder Röhrenkollektoren deckt den
Wärmebedarf eines Haushalts zu 100 %. Für einen Vier-Personen-Haushalt
genügt eine Kollektorfläche von etwa 10 Quadratmetern und ein
Wasserspeicher mit einem Volumen ab 600 Litern, um einige Regentage zu
überbrücken. Doch im Winter reicht die Sonne allein nicht aus. Die
erforderliche Heizwärme kann nicht allein von den Kollektoren
geliefert oder in ausreichender Menge dem Speicher entnommen werden.
In Ein- und Zweifamilenhäusern wären zur effektiven
Heizungsunterstützung große, teure Tanks mit einem Volumen von 60 bis 80
Kubikmetern erforderlich, die den Keller fast komplett ausfüllen
würden. In der Regel muß ein konventioneller Brenner oder eine
Holzheizung einspringen und nachheizen, wenn die Sonne nicht die Kraft
hat, um genug warmes Brauchwasser und Energie für die Heizung zu
liefern.
Ganzjährige solare Heizung scheint derzeit nur in
Solarsiedlungen mit Nahwärmeversorgung wirtschaftlich interessant:
Dort wird die Wärme der Sommertage in unterirdischen Behältern
(Wassertanks, Erdsondenspeicher) gespeichert, die bis zu 20.000
Kubikmeter fassen. Für Ein- oder Mehrfamilenhäuser könnte der
Sorptionsspeicher die Lösung sein. Er funktioniert wie eine "chemische
Wärmepumpe" und beansprucht nur wenig Raum im Keller.
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Sensibel, latent oder thermochemisch - unterschiedliche Speicherprinzipien und -kapazitäten
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Normalerweise wird der Ertrag der Kollektoren im
Keller "aufbewahrt". Die herkömmlichen Speicher sammeln erwärmtes
Wasser, dessen Temperatur man fühlen kann. Hier sprechen die Fachleute
von "sensibler" Wärmespeicherung. Pro Kubikmeter können etwa 60
Kilowattstunden Energie gespeichert werden. Bei der so genannten
latenten Wärmespeicherung ändert das Medium zwischen Ladung und
Entladung seinen Aggregatzustand, beispielsweise von flüssig zu
gasförmig. Speichermedien wie Paraffin oder Salzhydrate können bis zu
120 Kilowattstunden pro Kubikmeter speichern.
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Graphik: BINE
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Große Erwartungen verbinden Forscher und Entwickler
mit thermochemischen Speichern: Die Energiedichte, die in solchen
Speichern pro Kubikmeter erzielt werden kann, reicht von 200 bis 500
kWh pro m³. Dem Speichermittel (Silikagel oder Zeolith, beides Stoffe
mit großer innerer Oberfläche) wird beim Laden des Speichers im Sommer
Wärme (z.B. von der Solaranlage) zugeführt und Wasser in Form von
Dampf entzogen. Nach diesem "Trocknen", der Desorption, kann der
Vorgang in umgekehrter Richtung wiederholt werden. Bei der Zufuhr von
Wasserdampf lagert sich dieser an die porösen Speichermedien an
(Adsorbtion) und gleichzeitig wird Wärme frei. Im Winter kann eine
thermische Solaranlage als Niedertemperaturquelle für den
Verdampfungsprozess genutzt werden.
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Speicherzyklus eine thermochemischen Speichers. Graphik BINE
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Saisonale Wärmespeicher für das "Sonnenhaus"
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Einen Speicher auf der Grundlage von Silikagel will
der Kollektorhersteller UFE SOLAR gemeinsam mit dem Fraunhofer
Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg bis zur
Marktreife entwickeln. Zentraler Bestandteil ihres Leitprojekts im
brandenburgischen Bruchhagen ist ein saisonaler Wärmespeicher als
Basis eines autarken Solar-Heizsystems, das sowohl technisch als auch
wirtschaftlich überzeugen soll. In der Sonnensiedlung Uckermark soll
der neuartige Speicher praktisch erprobt werden. Die Speichermodule -
sie enthalten das Silikagel, die Wärmetauscher und einen
Vorratsbereich für das Kondensat - sind in den Solar- und Heizkreislauf
eingebunden. Um das Sonnenhaus Uckermark, ein Gebäude nach dem
Niedrigenergiehaus-Standard (Energiebedarf weniger als 50
Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr) vollständig solar zu
heizen, ist ein 10 - 12 m³ großer Sorptionsspeicher erforderlich,
berechneten die Forscher mit Simulationsprogrammen. Die Simulationen
ergaben auch, dass 30 - 35 Quadratmeter Kollektoren auf das Dach
müssen, damit die Rechnung aufgeht. Tests und Messungen über mehrere
Heizperioden sollen helfen die neue Speichertechnik zu optimieren. In
Serie gefertigt, könnten Sorptionsspeicher der Sonnenheizung zum
Durchbruch verhelfen, indem sie die solare Deckungslücke im Winter
schließen, hofft UFE SOLAR. Wann die Speicher auf den Markt kommen und
was sie kosten werden ist noch offen.
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Systemkonzept autarkes "Sonnenhaus" mit Sorptionsspeicher. Graphik: BINE
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Bereits im Januar 2000 berichtete der Solarserver im Solar-Magazin über das Speicher-Projekt,
welches 1999 mit einem Innovationspreis ausgezeichnet worden war. Die
zukunftsträchtige Technologie ist nach wie vor faszinierend. Die
vollständige Deckung des Heizwärmebedarfs durch die Sonne könnte der
Solarthermie einen Boom bescheren, der mit den Effekten des
Erneuerbare-Energien-Gesetzes und des 100.000 Dächer-Programms
vergleichbar wäre. Voraussetzung hierfür ist, das die Speicher
kostengünstig und gut zu bedienen sind. Die Grundlagenentwicklung des
von der Europäischen Union im Rahmen des Programms JOULE geförderten
Projekts haben UFE SOLAR und das ISE abgeschlossen. Als nächste
Schritte erfolgen derzeit die Integration des Speichersystems in ein
Gebäude sowie die Implementierung und Tests der Regelung. Im kommenden
Winter sollen zwei Prototypsysteme in Bruchhagen, Brandenburg (UFE
SOLAR) und in Gleisdorf, Österreich (Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare
Energie, AEE) untersucht werden. Die Installation in Bruchhagen wurde
kürzlich abgeschlossen, in Gleisdorf ist sie vorbereitet.
Weitere Forschungsaktivitäten unterstützt das auch
Bundeswirtschaftsministerium finanziell. Seit Herbst 2000 arbeitet UFE
SOLAR gemeinsam mit der deutschen Tochter des internationalen
Chemie-Unternehmens "Grace", Norderstedt, an der Entwicklung neuer
Sorptionsmaterialien. Am 28. und 29. Mai 2001 informierten sich
Mitglieder des Forschungsverbandes Sonnenenergie (FVS) bei einem
Workshop in Köln über Speichertechnologien - auch hier stand die
Thermochemie auf der Tagesordnung.
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Solares Trocknen / Lastausgleich im Fernwärmenetz
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Denkbar ist der Einsatz der Sorptionstechnik auch
als interessante Variante der solaren Trocknung: Die Universität
Hohenheim hat einen Sorptionsspeicher entwickelt, der die Abluft eines
Hallenbades entfeuchtet und im Zuge der Adsorbtion gleichzeitig
erwärmt. Diese neue Lösung könnte auch unter wirtschaftlichen
Gesichtspunkten interessant werden - wenn die Regeneration des
Sorptionsmittels weiter optimiert wird.
Als Puffer zwischen dem Fernwärmenetz und eigenem
Heizsystem nutzt eine Münchner Schule den Sorptionsspeicher: In einem
Pilotprojekt untersuchen die Münchner Gesellschaft für
Stadtentwicklung (MGS) und das Bayerische Zentrum für Angewandte
Energieforschung (ZAE) seinen Einsatz zum Ausgleich der Lastzeiten.
Nachts und an Wochenenden, wenn der Heizbedarf der Schule niedrig ist,
wird ein Speicher mit Fernwärme geladen, der als Sorptionsmaterial
7.000 Kilogramm Zeolith 13X enthält. Dieses lässt sich bereit bei
Temperaturen ab 110° Celsius effizient trocknen. Mit Fernwärme auf
130° erhitze Luft nimmt das an Zeolith gebundene Wasser auf und läd
den Speicher. Tagsüber kann die Schule vom Fernwärmenetz abgekoppelt
werden: Der Speicher liefert dann die Energie für ein System aus
Luft-, Radiator- und Fußbodenheizung, dessen Vorlauftemperatur bei 65°
Celsius liegt. Hierfür wird die zurücklaufende Wärme (25-30°) aus der
Heizung genutzt: Kalte, feuchte Luft wird in den Speicher geleitet, die
Adsorptionsenergie freigesetzt und wiederum in den Heizkreislauf
eingespeist.
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Nachts wird der Speicher mit Fernwärme beladen. Graphik: BINE
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Durch Kondensation und Adsorption gewonnene Wärme wird für die Heizung genutzt.
Graphik: BINE
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Der Speicher ist seit 1996 in Betrieb und erreicht
86% des theoretisch möglichen Wirkungsgrades. Allerdings rechnet sich
die Investition von rund 100.000 Mark pro Megawattstunde (MWh) nur,
wenn über 100 Lade- und Entladezyklen pro Jahr erfolgen. Würden solche
Systeme in kleinen Serien produziert, könnten sie für 50.000 DM pro
Megawattstunde hergestellt werden - und sich in 10 bis 15 Jahren
amortisieren. Wie für die autarken Solarheizungen gilt auch für diese
Technik, dass sie sich nur dann am Markt etablieren kann, wenn sie
kostengünstig und ohne Verzicht auf Komfort betrieben werden kann.
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Zeolithspeicher; Pilotprojekt des ZAE in München. Foto: BINE |
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Material und Bilder: Fachinformationszentrum
Karlsruhe, Gesellschaft für wissenschaftlich-technische Information
mbH (BINE Informationsdienst); UFE SOLAR GmbH, Berlin;
Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie (AAE), Gleisdorf.
Redaktion Solarserver: Rolf Hug.
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Weitere Informationen zu thermochemischen Speichern:
http://www.solarserver.de/solarmagazin/anlagejan2000.html#top
Ein wissenschaftlicher Begleittext zur Entwicklung des Sorptionsspeichers kann auf der Website der UFE SOLAR unter http://www.ufesolar.de/ufe1024/f-u-e22.html abgerufen werden.
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